Die besonderen Herausforderungen von Webprojekten

Web- oder Multimedia-Projekte stellen eine ganz besondere Herausforderung für das Projektmanagement und dessen Methoden dar. Zum einen ist dieses Feld noch vergleichsweise jung und eine Professionalisierung fand erst in den letzten Jahren wirklich statt. Zum anderen haben sie einige typische Eigenschaften, die das Leben als Projektleiter und vor allem den Einsatz von Management-Frameworks aus der Software-Entwicklung deutlich erschweren.

Nehmen wir zuerst die reinen Eckdaten. Ein typisches Projekt dauert selten länger als 3 Monate, Pflege und Weiterentwicklung ausgenommen. Projektteams bestehen selten aus mehr als 10 Personen. Im Schnitt ist eher eine Laufzeit von 4 Wochen mit 5 Personen typisch für ein Multimedia-Projekt.

Hier jeden Schritt und jedes Prozess-Artefakt aus dem [glossary id=’1561′ slug=’pmbok’ /] einzuhalten, oder einen mehrwöchigen Sprint-Zyklus von Scrum nach Handbuch einzusetzen, ist utopisch und würde jeden Kosten- und Zeitrahmen sprengen.

Die nächste Herausforderung besteht in dem Projekt-Ziel. Hier hat der Kunde oft nur sehr vage Vorstellungen von dem gewünschten Ergebnis und den Möglichkeiten der angepeilten Medien-Plattformen. Er hat sicher eine starke Erwartungshaltung, geprägt durch erfolgreiche Kampagnen und Applikationen, kann diese jedoch nicht konkret kommunizieren. Dies erfordert eine deutlich stärkere Beratung und auch ein gewisses Vertrauen zwischen beiden Parteien.

Gerade Design, Konzeption, Kommunikationsstrategie und andere kreative Disziplinen stoßen oft auf Unverständnis beim Kunden, vor allem in Bezug auf den Aufwand.

Blickt man abseits des eigentlichen Projektes auf die Organisation und Arbeit in Agenturen, kommen weitere Herausforderungen hinzu, die in dieser Ausprägung in der Industrie eher selten zu finden sind.

Hier liegt die größte Herausforderung im Multitasking, bzw. Multiprojektmanagment, und einer sehr kurzlebigen Ressourcenplanung. Nicht nur die Projektleiter betreuen mehrere Kunden und Projekte gleichzeitig, auch Entwickler, Grafiker und andere Team-Mitglieder müssen mit verschiedenen Projekten parallel jonglieren. Hier ist oft die genaue Planung und Priorisierung für den Mitarbeiter unklar, oder er wird regelrecht von einem Projekt in das nächste geworfen.

Das erhöht zum einen die Aufwände, die bei Task- und Projekt-Wechseln anfallen (ramp-up und ramp-down), zum anderen aber auch die Frustration der Mitarbeiter. Als Konsequenz der schnell wechselnden Projekt-Planung für einen Mitarbeiter fehlt diesem oft die Chance zu Projektbeginn mit den anderen Teammitgliedern starten zu können, und damit auf einem einheitlichen Informationsstand zu agieren und zu Projektende die Früchte des Erfolgs ernten zu können. Ist ein Projekt zu Ende und der Live-Einsatz beim Kunden ein voller Erfolg geworden, stecken viele Teammitglieder bereits im Stress des nächsten Projektes und können den Projekterfolg, und damit auch ihren ganz persönlichen Beitrag zum Projekt, gar nicht richtig genießen.

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